Folgender Test war für Print gedacht, ist aber übrig geblieben – daher mögen mir Wir-Version und teils etwas knappe Fassung verziehen werden, Print-Zeichen sind nunmal begrenzt …

Mit dem 50-Dollar-Poser namens Debut, gibt es nun auch ein 3D-Spielzeug im Consumer-Preissegment, aber ...
Schwierig. Das gilt allgemein für die Bedienung von 3D-Programmen, aber auch die Bewertung des Animationswerkzeugs Poser Debut von SmithMicro gestaltet sich im Laufe des Tests recht schwierig. Aber von vorn: Poser Debut ist ein Programm zum Kreieren von 3D-Szenen und -Animationen, wie sie auch für Animationsfilme wie Ice Age genutzt werden. Ein populäres kostenloses Open-Source-Gegenstück ist etwa Blender.

... bei Debut handelt es sich eher um ein Lernprogramm, denn einen Designer; allerdings sind die integrierten Tutorials wirklich gut
Genauer gesagt handelt es sich eher um ein Lernprogramm, was auch schon der Slogan (“Der spaßige Weg, 3D zu lernen”) und der Preis verraten, der mit 50 USD deutlich unter dem der Standard-Variante Poser 9 für 250 USD liegt, und Poser 2012 Pro kostet nochmal das Doppelte. Aber keine Sorge, das großartige Konzept sieht durchaus vor, dass Sie auch echte Projekte erstellen können: Mit einem integrierten, ausführlichen Tutorial, lernen Sie direkt an echten Projekten, wie Sie Bausteine von einfachen geometrischen Formen bis hin zu komplexen Menschmodellen platzieren und editieren, wie Sie mit Lichtquellen und Kameras umgehen, die reichhaltige Bibliothek nutzen und zum Schluss erstellen Sie ein komplettes Projekt – ein eingerichtetes Zimmer. Leider hören die Tutorials hier auf – wie Sie Figuren und Objekte animieren, also etwa einen vorgegebenen Weg abschreiten lassen, müssen Sie dem sehr guten Handbuch entnehmen (das es, wie das Programm selbst, nur auf Englisch gibt).

Kleinere Szenen sind, auch ausgehend von den Tutorials, schnell umgesetzt und lassen sich hervorragend als Bild oder Animation rendern
Nach den Tutorials machen wir uns auf zum spaßigen Teil: Das Herumspielen mit den Programmfunktionen löst tatsächlich sofort Begeisterung aus, denn für 3D-Verhältnisse ist Poser erstaunlich intuitiv zu nutzen. Außerdem stehen in der Bibliothek sehr gute Modelle bereit, von Cartoons über Gegenstände und Tiere bis hin zu menschlichen Körpern, die sehr realistisch gestaltet sind – im Personen-Menü gibt es sogar den Punkt “Genitalien” – und sich einfach mit der Maus bewegen und arrangieren lassen. Mit “Inverse Kinematics” und Begrenzern für die Bewegungen, bleiben die Figuren dabei sogar immer in natürlichen/möglichen Körperhaltungen – auch wenn der präzise Umgang mit Auto Balancing erstmal erprobt werden will. Und tatsächlich ist sogar die Animation ohne Nachlschlagen im Manual möglich, sofern man schon mal mit Timelines gearbeitet hat (Flash, etc.): Platzieren Sie ein Modell, schieben Sie den Frames-Regler etwa auf 300 und modellieren Sie nun die Endposition von Modellen und Objekten – fertig. Bei 30 Frames pro Sekunde entsteht daraus ein zehnsekündiger Clip, die Bewegungen werden automatisch erzeugt. Sollen Figuren bestimmte Wege abschreiten, lassen sich dazu Pfade einrichten, die dann mit einem definierten Geh-Stil (Rennen, Sexy, Tanzend, etc.) über einen festgelegten Zeitraum agbeschritten werden. Spätestens hier hört aber intuitives Bedienen ebenso auf wie die Begeisterung. Denn je weiter wir uns ins Programminnere vortesten, desto häufiger finden sich Stolpersteine: Ständiges Wechseln von Werkzeugen, was regelmäßig zu versehentlichen Klicks/Aktionen führt, komplizierte Workflows (ein Hintergrundbild wird etwa über verschiedene Menüs eingefügt/gelöscht) und nicht zuletzt auch massive Beschränkungen – die Debut-Version nutzt etwa nur zwei Prozessoren, was das Rendering elendig langsam macht, Gesichter, Haare, Kleidung und vieles andere können nicht editiert werden und neue Figuren dürfen Sie auch nicht erstellen. Sie stoßen also schnell an Programmgrenzen, wenn Sie wirklich mit Poser Debut arbeiten wollen und für ein vollwertiges Lernprogramm sollten die Tutorials bitte den gesamten, beschnittenen Funktionsumfang abdecken.

Mimiken aus der Bibliothek gehören sicherlich zu den Highlights, aber der wirklich hervorragende Gesichts-Editor (Face Room), bleibt der 250-Dollar-Variante Poser 9 vorbehalten
So bleibt die Bewertung auch nach vielen Stunden schwierig: Die Performance im Programm ist hervorragend, das Rendern durch die Prozessorbeschränkung unerträglich. Der Funktionsumfang ist für einen echten Designer viel zu klein, für ein Lernprogramm mehr als großzügig – zumindest funktioniert fast alles so wie gewünscht. Und auch die Usability ist zweischneidig, weil zwar der Einstieg super ist und fast an glorreiche Kais-Power-Goo-Zeiten erinnert, aber schon mittelfristig die für 3D-Tools typische Komplexität zuschlägt, für Frust sorgt und einges an Übung abverlangt. Dennoch erledigt Poser Debut diesen Punkt in unseren Augen – zumindest für Einsteiger! – sehr gut, Blender etwa verlangt eigentlich ein viersemestriges Grundstudium, um auch nur ein neues Projekt anzulegen. Wenn Sie ernsthaft überlegen, 3D-Designer zu werden oder schlicht an den Grundlagen für Shrek & Co. interessiert sind, ist Poser Debut durchaus den Kauf wert – und für einige Tage wird Sie das durchaus spaßige 3D-Spielzeug garantiert bei Laune halten, sofern Sie ein, zwei Fruststunden überstehen.
Funktionalität (40%): 3
Usability (40%): 3
Performance (20%): 3
Qualität: befriedigend (3,0)
Preis/Leistung: gut
P.S.: Den Test zu Poser 9 (250 USD) finden Sie in der kommenden Foto Praxis





