Nero BackItUp: Unnütze Archive

Nero BackItUp: Außen hui, innen proprietäre Backup-Archive - pfui, pfui, pfui

Nero ist bekannt für sein Brennprogramm Burning ROM, mittlerweile angewachsen zur extrem umfangreichen Nero Multimedia Suite 10. Aber es gibt auch noch das Backup-Programm Nero BackItUp. Und da hat sich bei einem kurzen Vergleichstest die ganz dunkle Seite proprietärer Software gezeigt: Die Backup-Archive sind, mit Verlaub, völlig unnütz. Das Programm selbst ist hervorragend zu bedienen, hat einen sehr guten Funktionsumfang (etwa Imaging), läuft stabil und tut, was es soll. Nun, bei einem früheren Test hat BackItUp einige USB-Sticks von jeglichen Partitionsinformationen “befreit” und ungefragt Daten auf dem Stick gelöscht, aber zum einen soll’s hier darum nicht gehen und zum anderen scheint der Fehler eher meinem Talent für das Provozieren von Fehlern geschuldet – Nero war jedenfalls etwas überrascht, konnte die beiden (dokumentierten) Fehler aber nicht wegreden (haben sie auch gar nicht versucht). Wie dem auch sein, das Grauen kommt, schaut man sich die von Nero erstellten Sicherungsdateien an: Diese liegen auf der Festplatte im Format NBA vor.

Auf den ersten Blick scheint es sich also um ein proprietäres Format zu handeln, für das man entsprechend das Nero-Programm benötigt, um sie wiederherstellen zu können – und das geht gar nicht. Wer weiß schon, ob es in 10 Jahren noch eine lauffähige BackItUp-Version gibt? Vielleicht gibt es auch Nero nicht mehr. Und selbst wenn: Weder will ich in 10 Jahren nochmal Geld investieren, um meine Backups auslesen zu können, noch will ich bei Verlust meiner Lizenznummer abermals Geld ausgeben. Aber eine Dateiendung macht ja nun mal kein Dateiformat, außerdem ist bei Images aus Nero Burning ROM bekannt, dass man diese NRG-Dateien ganz einfach nach ISO umbenennen kann …

Also flux die Dateien von NBA nach ZIP umbenannt und mit 7Zip geöffnet – möööp, geht nicht. Aber mit WinRAR geht’s, auch gut. Es scheint also ein ZIP-Archiv. Problem gelöst? Möööp, wieder nicht. Die Dateien lassen sich zwar entpacken, aber sie erscheinen nur mit DOS-Namen, also Dateien nach der 8.3-Konvention, die dann meist abcdef~1.txt oder ähnlich heißen.                      

BackItUp-Archive lassen sich nach ZIP umbenennen und mit WinRAR entpacken - es finden sich aber nur 8.3-Dateinamen, die echten Namen bleiben in einer XML-Datei für die Wiederherstellung ausschließlich mit BackItUp vorbehalten - nicht die feine Art!

Das muss sich doch abstellen lassen!? Nein. Schlicht und einfach nein. Nicht in der GUI und auch mehrere Stunden Leserei von Dokumentationen half nicht, nicht einmal geschlagene 2 Stunden Rumhackerei in der zum Backup-Job gehörenden XML-Datei, 8.3-Mist blieb. BackItUp stellt natürlich mit den richtigen langen Windows-Namen wieder her, dazu bedient es sich einer mit dem Archiv gespeicherten XML-Datei, die Pfade und Dateien mit korrekten Namen abbildet. Mit anderen Worten: Nero packt Backups halbwegs in Standard-ZIPs und macht daraus durch den DOS-Namen-Unsinn pseudoproprietäre Dateien – pseudoproprietär, aber genauso unnütz wie richtig proprietär. Eine völlig behämmerte Maßnahme, die aus einem ansonsten wirklich guten Backup-Programm ein vollkommen unnützes Produkt macht, absolut unverständlich. Ich kann also nur dringend von der Nutzung abraten, besser ist da das Open-Source-Programm Areca, das zwar kein Imaging oder sonstige Extras, dafür aber bei vielen, großen Backup-Archiven deutlich mehr Übersicht bietet und vor allem als Standard-ZIP archiviert, so dass man mit jedem beliebigen Entpacker Zugriff hat. Übrigens: Neros Backupper heißt als Einzelprodukt BackItUp & Burn, man kann also auch direkt auf eine CD/DVD/Blu-ray sichern. Aber wer nun denkt, zumindest dann würde doch normaler Zugriff auf Dateien möglich sein, wie es auch der Redakteur, der den Test redigiert hat zu Recht zu bedenken gab, irrt: Auch auf CDs landen NBA-Dateien samt XML-Namensspendern, keine Ordnerstrukturen. Einen hab ich noch, es geht noch schlimmer: Wie wäre es denn mit einem Backup ohne Komprimierung? Dann, endlich, sollten meine Dateien doch hübsch und brauchbar sein! Möööp, wieder nichts, im Gegenteil: Ohne Komprimierung lassen sich die verdammten NBAs gar nicht mehr öffnen …

Share
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Test abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.