Schallplatten mit Audacity digitalisieren – Teil 1: Importieren, Schneiden, Taggen, Exportieren

6. Januar, 2014 | 22:42 | Autor: Mirco Lang

Vinyl hat nach wie vor viele Fans, neue Alben erscheinen immer häufiger auch als Schallplatte und von den analogen Musikarchiven in vielen Haushalten brauche ich gar nicht erst anzufangen. Ob Sie nun von Ihren alten Schätzchen loskommen oder nur digitale Varianten für unterwegs anlegen wollen, mit Audacity ist das recht schnell und in bester Qualität erledigt. Und natürlich ist Audacity Open Source Software und somit kostenlos. Das Prinzip ist ganz simpel: Sie lassen die Stille zwischen Titeln automatisch erkennen und die Titel voneinander trennen, um sie dann einzeln, ordentlich getaggt zu speichern.

In Teil 2 lesen Sie, wie Sie Rauschen entfernen.

 1. Installation

Installieren Sie Audacity über Synaptic, eine andere grafische Paketverwaltung oder natürlich über

sudo apt-get install audacity

sofern Sie unter Linux werkeln, unter Windows starten Sie die heruntergeladene Datei.

 
Audacity-Splash

Audacity-Splash

 

2. Rippen

Zuächst benötigen Sie die LP als einzelne, großen Datei. Dazu können Sie entweder den Plattenspieler über einen (Phono-) Verstärker an die Soundkarte anschließen und in Audacity schlicht auf Record klicken. Oder Sie nutzen, wie in diesem Beispiel, die Aufnahmefunktion vieler USB-fähiger Plattenspieler – USB-Stick rein, Platte an, Aufnahmen ein, fertig. Dabei können Sie ruhig beide LP-Seiten in eine einzige Aufnahme packen. Der anschließende Import in Audacity dauert rund ein, zwei Minuten.

Album-MP3 importieren

Album-MP3 importieren

 

3. Übersicht

Bei der importierten Stereo-Spur erkennen Sie recht deutlich die fünf einzelnen Stücke der A-Seite sowie die beiden sehr langen Stücke der B-Seite. Wenn Sie genau hinschauen, sehen Sie auch die lange Stille beim Umdrehen der Platte.

Album-Struktur

Album-Struktur

 

4. Stille erkennen / Silence finder starten

Starten Sie nun die automatische Stille-Erkennung Analyse/Silence finder, um Markierungen zwischen den einzelnen Tracks zu setzen.

Silence finder

Silence finder

 

5. Silence finder einstellen

Hier können Sie nun über den db-Wert festlegen, ab welchem Wert das immer leicht vorhandene Rauschen als Stille, also Pause definiert werden soll. Auch die Mindestdauer der Stille ist relevant, gibt es doch auch mitten in Liedern sehr ruhige Phasen, insbesondere bei Genres wie Klassik, Jazz oder experimenteller Musik. Letztlich legt Label Placement fest, wo genau die Stille-Markierung gesetzt wird, also wieviele Sekunden vor Ende der Stille; allerdings ändern wir diesen Wert später manuell in Schritt 10.

Feintuning beim Silence finder

Feintuning beim Silence finder

 

6. Anmoderationen entfernen

Jetzt heißt es wieder, ein wenig zu warten; Zeit für eine kleine Info: Bei Live-Aufnahmen, DJ-Platten, dem einen oder anderen Konzeptalbum oder auch Hörspielen, gibt es zwischen den Tracks oft keine Pausen, sondern Anmoderationen, Applaus, sanfte Überleitungen und dergleichen. In diesen Fällen müssen Sie das Stück zwangsläufig in Audacity abspielen, bei entpsrechenden Stellen pausieren und manuell Textspur und -marken erzeugen (mehr dazu in Schritt 12).

Warten ...

Warten …

 

7. Stille-Markierungen als Textmarken

In der neuen Textspur sehen Sie nun die Stille-Markierungen in Form von Textmarkierungen – und Sie sehen, dass es zuviele sind. Also korrigieren wir manuell nach. (Beachten Sie, dass vor dem ersten Stück bereits eine Markierung gesetzt ist, was in Schritt 15 nochmal interessant ist.)

Textmarkierungen markieren Stille

Textmarkierungen markieren Stille

 

8. Textmarken löschen

Zoomen Sie mit STRG+Mausrad weit in die Zeitleiste hinein. Um Markierungen wie hier im Bild zu löschen, markieren Sie einfach den Bereich in der Textspur und entfernen Sie mit ENTF.

audacity_win_07

Textmarken-Zoom

 

9. Album säubern

Säubern Sie so zunächst das gesamte Album, Artefakte wie hier im Bild kommen immer wieder mal vor.

Überflüssige Textmarken

Überflüssige Textmarken

 

10. Textmarken optimieren

Wenn Sie die Markierungen nun manuell optimieren wollen, klicken Sie einfach auf den (sehr, sehr) kleinen Punkt zwischen den Klammern und ziehen Sie ihn zum Beispiel in die Mitte der oben zu sehenden Stille.

audacity_win_09

Manuelle Optimierung

 

11. Struktur der Platte

Im bereinigten Zustand erkennen Sie nun ganz eindeutig die gesamte Plattenstruktur, Seite A ist hier zur Verdeutlichung markiert.

Bereinigte Platte

Bereinigte Platte

 

12. Textmarken in Tabellenform

Alternative: Über „Spuren/Textmarken bearbeiten“ können Sie auch in tabellarischer Form mit Textmarken arbeiten. Sofern auf dem Album-Cover korrekte Zeitangaben zu finden sind, könnten Sie etwa die jeweilige Pause zwischen den Titeln zu den Liedlängen hinzuaddieren und die Marken sogar komplett händisch setzen, ohne Silence-Erkennung. Auch die Track-Namen könnten Sie bereits hier setzen, statt wie wir später im Metatag-Dialog – denn standardmäßig werden Textmarken als Track-Namen genutzt.

Textmarken in Tabellenform

Textmarken in Tabellenform

 

13. Tagging

Öffnen Sie nun über Datei/Metadaten bearbeiten den Metadatendialog und vergeben Sie die für das ganze Album relevanten Tags.

Album-Tagging

Album-Tagging

 

14. Automatischer Schnitt

Über Datei/Mehrere Dateien exportieren starten Sie nun den automatischen Schnitt.

Auto-Schnitt

Auto-Schnitt

 

15. Export starten

Wählen Sie hier einen beliebigen Decoder, für direkt mit Audacity aufgenommene Alben sollten Sie FLAC nehmen, für eine MP3-Version vom Plattenspieler selbst sollten Sie hingegen bei MP3 oder einem anderen Verlustformat bleiben – besser werden MP3s durch Konvertierung nach FLAC freilich nicht. Wichtig ist der Punkt „Tondaten vor der ersten Textmarke mit einschließen“: Wie in Schritt 7 bereits erwähnt, liegt unsere erste Marke vor dem ersten Stück – abgetrennt werden hier das Auflegen und Starten der Platte. Diesen Bereich wollen wir natürlich nicht und setzen das Häkchen. Bei der Namensvergabe sollten Sie ebenfalls die Standardoption wechseln, da ansonsten alle Stücke wie die Schnittmarken (hier also „S“) hießen. Zu guter letzt Starten Sie noch kurz die Optionen für den FLAC-Encoder.

Decoder wählen

Decoder wählen

 

16.  Beste Qualität

Wieder steht hier der Wert 8 für die beste Qualität, die Sie auch auf jeden Fall wählen sollten.

Speicherplatz ist billig - immer die beste Qualität wählen

Speicherplatz ist billig – immer die beste Qualität wählen

 

17. Metadaten für einzelne Stücke

Nun erscheint als letzter Schritt nochmals der Metadatendialog für jedes zu exportierende Stück, natürlich mit den vorher vergebenen Albendaten; Sie müssen hier nur noch die Tracknamen vergeben. Nach dem abschließenden Export, verfügen Sie dann über ordentliche digitale Kopien in der übersichtlichen Ordnerstruktur Künstler/Album/Titel.flac. Tipp: Sollten die zu digitalisierenden Platten viele Knackser und ähnliche Störgeräusche produzieren, dürfen Sie diese auch über die diversen Effekte/Filter bekämpfen oder manuell entfernen, indem Sie sehr weit in die Tracks zoomen und Spitzen, Knackser und wo weiter herausschneiden – aber das ist ein anderes Thema … .

Song-Tagging

Song-Tagging

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